9A0D1E336467FB0C35B620E0CC9AB89A jxIe3rVoAoLtlnvBwPeGoGlTxnA

Wie mein Welpe sozialisiert wird

von | 27.Sep.2015 | Dein Welpe und sein Verhalten, Mein Welpe und seine Sozialisation, Mein Welpen Blog |

„Mein Hund ist immer schon sehr scheu gewesen“, schrieb eine Leserin letztens in ihrem Kommentar, „aber seit einiger Zeit fängt er an zu knurren, wenn jemand ihn streicheln möchte. Und vor einigen Tagen, mein Hund war an der Leine, da hat er jemand auf der Straße angesprungen und zugeschnappt, als der Mann mir entgegen kam“. Diese Erlebnisse mit jungen Hunden in ihrer Pubertäts- und Adoleszenzphase, im Übergang zum Erwachsenwerden, passieren öfters. Vor allem dann, wenn sie so gut wie keine Sozialisation vorher gehabt hatten.

Was bedeutet eigentlich die Sozialisation eines Welpen?

Während der ersten Lebenswochen eines Welpen in seiner sogenannten „sensiblen Phase“ lernt er das, was für ihn im Leben „normal“ ist. Er ist keineswegs immun gegen Angst oder gar einem Trauma gegenüber. Aber dem wird vom Züchter vorsorglich begegnet mit einer freundlichen, fürsorglichen Behandlung für die er sehr empfänglich ist. In diesen Wochen nimmt er so ziemlich alles neugierig wahr wie Gerüche, Geräusche, Gegenstände um ihn herum und erhält zunehmend Erfahrungen, was seine Sicherheit angeht. Auch bekommt er immer noch einen besonderen naturgemäßen Bonus, was bedeutet, dass der Welpe selbst begreift, dass es neue Dinge gibt, die nach eingehender Erkundung keine Angst mehr machen. Hierzu ein kleines Beispiel von mir und meinem früheren Hund Nemo. Er war etwas über 9 Wochen alt, als ich ihn sozialisierte. Eines Tages während dieser Wochen hatte ich aber vollkommen vergessen, ihn vorher darauf vorzubereiten, das es in dem Hotel, in das ich für 2 Nächte mit ihm verbrachte, auch einen Aufzug für Gäste hatte. Einen kurzen Augenblick war mein Hund überrascht und schreckte kurz, als der Raum um uns plötzlich begann, sich zu bewegen. Er spürte den Druck in seinen Beinen, aber lies sich nicht davon weiter beeinflussen, auch weil mein Zureden einiges dazu beitrug. Schnell hatte er die Erfahrung gemacht, die ihm zu versichern schien, dass diese neue Situation für ihn ganz okay war. Genauso okay wie auch der volle Wagen aus Metall neben ihm im Aufzug mit all den Gepäckstücken darauf.

Wann du deinen Welpen sozialisieren solltest

Der Haken bei der Sozialisierung für dich ist, dass es einerseits die Gelegenheit für die offene Tür dafür gibt, die aber nur für eine bestimmte Zeit gilt. Die Tür fällt am Schluss ins Schloss und geht nicht mehr auf, sobald  das geschehen ist. Diese bestimmte Ablaufzeit für die Sozialisation eines Welpen liegt zwischen der 12. und 16. Woche. Daher gehe unbedingt auf Nummer Sicher und beginne deine Aufgabe seiner Sozialisierung zur rechten Zeit, am besten, sobald er bei dir eingezogen ist. Ohne sorgfältige und gute Sozialisierung wird dein Welpe mit großer Wahrscheinlichkeit scheu und schreckhaft werden während er aufwächst sowie auch für sein restliches Leben. Und mit dieser nicht gemachten Erfahrung einer sorgfältigen Sozialisierung wird er  lernen, dass es für ihn besser ist in die Offensive zu gehen, um ängstigende Situationen zu umgehen. Das Beispiel oben, am Anfang des Beitrags, ist bezeichnend für diesen Fall.

Wie du nun deinen Welpen am besten sozialisierst

Was solltest du tun. Also, zunächst hört es sich für dich eher seltsam an, aber nimm ihn überall dorthin mit, wo du hin gehen möchtest oder hin musst. Nehme ihn mit in einen Baumarkt oder zum Beispiel, in ein Einkaufszentrum, zu einem Bahnhof. Also, dorthin, wo es viele Leute gibt. Steige in einen Zug mit ihm, falls die Gelegenheit sich dafür bietet. Gehe mit ihm zu einer Autowerkstatt und lass ihn seine Neugier dort ausleben, ins Wartezimmer bei einem Tierarzt und dann wieder hinaus. Gehe mit ihm auf einen Bauernhof, auf eine Baustelle, zu einer Polizeistation, wenn es sich ergeben sollte. Biete ihm die Erfahrung von verschiedenen Untergrundflächen, lass ihn zum Beispiel auf Metallgitter laufen, Betonböden, auf Böden wo Blätter liegen, lehre ihn vorsichtig Treppen zu benutzen, wenn es nicht allzu übertrieben wird.

Mache deinen Welpen mit den verschiedensten Menschen bekannt.

Bei uns in Deutschland vollzieht sich immer noch eine Trennlinie von der Hautfarbe her und vor allem kulturell. Aus manchen Leser-Kommentaren in meinem Blog entnehme ich, dass ihre Hunde gegenüber dunkelhäutigen Menschen zum Beispiel völlig anders reagieren, als vor uns Weißen. Also, versuche doch mal, einen multikulturellen Vorstoß mit deinem Welpen zu machen. Fang an bei Kindern, die deinem Hund neugierig und liebevoll begegnen, lass sie deinen Welpen streicheln, gib ihnen Hundeleckerlis und lass sie ihm sie zustecken. Menschen im Rollstuhl, Menschen mit Bärten, mit dunkler Stimme, auch Obdachlose auf der Straße, alle diese Menschen sollten künftig nicht mehr ungewöhnlich fremd und furchteinflößend für deinen Welpen sein.

Gewöhne deinen Welpen an andere Tiere

Ein Welpe, der mit Katzen aufwächst, wird diese sehr wahrscheinlich nicht als Beute ansehen und sie jagen. Wenn du auf dem Lande lebst, dann ist der natürliche Umgang zwischen deinem Welpen und anderen Tieren leicht zu erreichen. Wohnst du in der Stadt, dann arbeite mit dem, was dir dort begegnet. Ob du deinem Hund in einem Reitstall Pferde näher bringst, oder mit ihm andere Hunde kennenlernst. Er sollte anderen Hunden und Welpen begegnen, von denen du weisst, dass sie freundlich und gesund sind. Eine gute Hundeschule in deiner Nähe mit einer Hunde-Welpengruppe oder auch mit älteren Hunden kann natürlich sehr hilfreich sein für die Sozialisation deines Welpen.

Gewöhne deinen Welpen an alle möglichen Töne

Viele Hunde haben Angst und schrecken vor ungewohnten, nie gehörten Tönen zurück. Bring deinen Welpen mit Polizei- und Feuerwehrsirenen zusammen, wenn sie ertönen, rede auf ihn beruhigend ein. Vogelgezwitscher, Musik, rollende Stahltore und quietschende Türen, ungewöhnliche Klingeltöne, klirrende Töpfe und Pfannen, Gewehrschüsse und krachende Geräusche sind häufig die Übeltäter für spätere Hundephobien. Wie wäre es, wenn du freie Aufnahmen davon aus dem Internet herunter lädst und sie irgendwann mal als Hintergrundmusik bei dir abspielst?

Was ist zu tun, wenn dein Welpe scheu und ängstlich ist

Angenommen, du machst deinen Welpen bekannt mit einem Freund oder einer Freundin von dir. Er oder sie hat eine Sonnenbrille im Gesicht und einem Hut auf. Wenn dein Welpe zurück scheut, bleibe ruhig und lass ihn einfach gewähren wie er gerade darauf reagiert. Bitte deinen oder deine Bekannte, sich hinzusetzen und den Hund einfach zu ignorieren. Dann überlasse deinem Hund den weiteren Verlauf für das, was da in den nächsten Minuten kommt. Dein Hund wird dabei weiter ignoriert. Lobe ihn aber, wenn er langsam anfängt, Neugierde zu zeigen, aber vermeide es, ihn dafür zu mit Leckerei aus deiner Tasche zu belohnen. Es ist weiter wichtig, dass er von dir nicht aus seinem sicheren Bereich gelockt wird. Falls er sich bei deinem Bekannten niederlässt, dann kann er ihm etwas geben, ansonsten, wenn sich nichts weiter tut, verschiebst du die Situation am besten auf das nächste Mal. Folge demselben Muster, sobald dein Welpe jemand aus dem Weg geht. Lass ihm seinen Abstand einnehmen, dort, wo er sich sicher fühlt. Sobald er sich näher an den anderen heran wagt, lobe seine Beherztheit, aber locke ihn nicht dabei. Wenn du feststellst, dass dein Welpe gegenüber anderen Menschen häufig Angst zeigt und zurückschreckt, suche so bald wie möglich den Kontakt zu einem Tierpsychologen.  Frühes Angstverhalten ist immer noch formbar und je schneller du versuchst, Lösungen zu finden, desto größer sind die Chancen, seine Ängstlichkeit und Phobie zu kurieren.

10 + 7 =

Web Analytics